Sie sind hier: Startseite > Tierisch-Tierisch > Bauernhofgeschichten > traurige Geschichte

traurige Geschichte

Die Geschichte der kleinen Perserkatze (Mai 2012)

Mein Name ist Manuela Hauser und ich bin 39 Jahre alt.

Ich arbeite seit etwa 15 Jahren auf einem Kinderbauernhof am Rande von Berlin und ich liebe diesen Job. Hauptsächlich betreue ich viele Tiere, aber zu meinen Aufgaben gehört auch, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass die Versorgung von Tieren mit viel Verantwortung verbunden ist.

Tier und Mensch verstehen sich ohne Worte, wir kuscheln miteinander und geben uns das Gefühl von Geborgenheit. Tiere trösten uns, wenn wir traurig sind und sie akzeptieren jeden so wie er ist. Tiere zaubern ein Lächeln in die Gesichter von Kindern und manchmal auch ein Staunen. Oft schauen mich große Kinderaugen an, erst fragend und dann glücklich, wenn sich das Kaninchen oder die Katze streicheln lässt.

Tiere verlangen auch nicht viel für das Glück, welches sie uns schenken. Etwas Aufmerksamkeit, frisches Wasser und Futter, eine saubere Unterkunft und hier und da mal einen Tierarztbesuch.

Den 22. Mai 2012 werde ich so schnell nicht vergessen. Das war der Tag, an dem ich den schlimmsten Fall von Verwahrlosung in meinen Händen hielt, den ich je erlebt habe.

Es war 7.00 Uhr morgens. Ein Spaziergänger fand beim Gassi gehen im anliegenden Park eine kleine rote Perser-Katze. Er bat uns um Hilfe und als er mir die kleine Mieze in den Arm legte, blieb mir fast der Atem weg. Große traurige Augen schauten mich aus einem Berg von Fellklumpen an, kaum Gewicht und völlig entkräftet trug ich das kleine Häufchen Elend hinunter in unseren Tierkeller. Ich musste mir die Tränen unterdrücken, denn ich konnte spüren, wie sehr die Kleine in den letzten Wochen, wenn nicht sogar Monaten, gelitten haben muss.

Ich bot ihr erst einmal Wasser und Futter an. Mit wackligen Schritten lief die kleine Mieze zu den Näpfen und trank prompt einen großen Schluck Wasser. Etwas Futter nahm sie ebenfalls zu sich, jedoch kam alles wieder im hohen Bogen heraus.

Nur kurze Zeit später machte ich mich auf den Weg zu unserem Tierarzt und auch dort war man schockiert vom Zustand der kleinen Katze. Man wollte ihr eine Spritze geben, aber dies gestaltete sich sehr schwierig. Der Arzt wusste nicht wohin er spritzen sollte, da die Katze nur noch Haut und Knochen war. Mit einem Gewicht von 1500 Gramm, wobei sicherlich 300 Gramm nur Fell waren, wunderten sich alle, dass die kleine Mieze überhaupt noch lebte.

Ein Blick in ihre wachen Augen sagte mir, ich möchte leben, bitte helft mir. Die Entscheidung stand fest und der Malchower Grashüpfer e.V. stand hinter meiner Entscheidung. Wir wollten versuchen, die kleine Katze zu retten, egal welchen finanziellen Aufwand wir dafür tragen müssten. Die Mieze kam an den Tropf und dann in einen separaten Raum. Ein Bluttest ergab, dass die Nieren- und auch die Blutzuckerwerte im relativ normalen Bereich lagen, aber die Leberwerte waren sehr bedenklich. Ein Telefonat am Nachmittag erweckte in mir einen kleinen Hoffnungsschimmer, denn sie hatte inzwischen schon etwas gegessen.

Am nächsten Tag fuhr ich wieder zum Tierarzt, doch leider gab es keine guten Neuigkeiten. Das Futter hatte die kleine Katze am Abend wieder erbrochen und sie lag immer noch am Tropf. Sie kämpfte und alle dort beim Tierarzt versuchten ihr beim Überlebenskampf zu helfen.

Das war das letzte Mal, dass ich in die leuchtenden Augen dieser wunderschönen Perserkatze schaute. Am folgenden Tag musste sie vom Tierarzt erlöst werden, da die Leber versagte und die Kleine sich nur noch quälte.

Oft stelle ich mir die Frage, wie es soweit kommen kann, dass eine Katze in einen so verwahrlosten Zustand kommen kann. Ich frage mich, warum hat man nicht früher reagiert und geholfen? Tiere geben uns so viel und verlangen doch eigentlich so wenig dafür.

Es macht mich unendlich traurig, dass in einer so großen Stadt wie Berlin, in der es so viele Tierschutzvereine gibt, jemand nicht in der Lage ist, um Hilfe zu bitten oder vielleicht auch einfach nur zu ignorant ist, das Leiden seines Tieres zu bemerken.

Kleine Miezekatze, du hast einen Platz in meinen Herzen eingenommen und wenn es auch nur 2 Tage waren, die du meinen Weg gekreuzt hast, werde ich dich nicht vergessen. Tränen kullerten über mein Gesicht, denn wir haben deinen Kampf verloren.

Ich laufe über den Bauernhof und freue mich, wenn Gans Paula glücklich mit Ganter Alfie auf der Wiese Gras frisst oder unser Schwein Fritzi wieder einmal im Entenauslauf das Futter klaut. Ich freue mich, wenn ich den Kaninchen beim Buddeln und Rennen zuschauen kann und ich freue mich, wenn ich unserem Bartagam Geronimo eine Grille füttere.

Alles was sie wollen ist etwas Aufmerksamkeit, frisches Wasser und Futter, eine saubere Unterkunft und hier und da mal einen Tierarztbesuch. Das ist nicht viel für die vielen schönen Stunden, die sie uns dafür zurückgeben.