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Vom Stubenarrest und der Herrlichkeit des Drecks

Vom Stubenarrest und der Herrlichkeit des Drecks

Seid gegrüßt ihr flügellosen Zweibeiner.

Man, war das ein blöder Herbst für uns Geflügel. Die Sonne lachte, der Regen hielt sich zurück, aber wir bekamen Stubenarrest aufgebrummt.
So was Doofes.

 

Ja, ausgerechnet in dieser schönen Zeit hieß es für uns Bodenhaltung, anstatt Freilandhaltung.
Also für die, die den Unterschied nicht kennen. Freilandhaltung bedeutet: raus aus dem Hühnerstall, ab in den Freilauf. Und einige von uns dürfen sogar frei auf dem Bauernhof herumtollen und jedes Stück Erde nach einem Korn oder Wurm umgraben.

Bodenhaltung bedeutet hingegen, wir dürfen uns nur im Hühnerstall frei bewegen.
Und so blieben eines Morgens die Türen plötzlich verschlossen, kein Einziger von uns durfte den Stall verlassen.

 

Unsere Tierpflegerin erklärte, das unter einigen frei lebenden Vögeln, die jetzt vor dem Winter flüchteten und in wärmere Länder flogen, eine Krankheit ausgebrochen war, die auch für uns Bauernhofgeflügel sehr gefährlich sei. Also wurde kurzerhand ein Stubenarrest für jedes Geflügel verhängt, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Ihr könnt euch vorstellen, dass wir nicht gerade begeistert waren von dieser Maßnahme. Und aus lauter Protest haben wir auch das Eierlegen stark eingeschränkt, Strafe muss schließlich sein. Es heißt nicht umsonst: Wie du mir, so ich dir. Doch die Zweibeiner ließen sich davon nicht erweichen.

Furchtbar war neben dem Arrest auch, dass wir alle die ganze Zeit so sauber und ordentlich aussahen. Weit und breit gab es keine Dreckhaufen oder Pfützen. Selbst die Gänse waren schneeweiß, der Anblick hat richtig geblendet. Doch was lässt man sich nicht alles für ein sonst so schönes und sicheres Zuhause gefallen.

 

Erst am 16.Dezember, also kurz vor Weihnachten, wurden die Hühnerstallpforten wieder geöffnet. Doch wir waren skeptisch.
Erst als die Gänse und Enten voran gingen, trauten wir restliches Geflügel uns auch raus.
Und das war so herrlich.
Es hat in Kübeln gegossen und wir konnten uns so richtig einsauen, prima. Die Gänse sehen jetzt wieder so richtig mistig aus und fühlen sich pudelwohl dabei.

Dreck kann doch so herrlich sein.







 

In diesem Sinne wurde die Eierproduktion jetzt wieder angekurbelt, schließlich ist niemand perfekt und so haben wir uns entschlossen, den Zweibeinern diesen Ausrutscher zu verzeihen.

Jedenfalls genießen wir jetzt unsere Freiheit und hoffen, dass uns bei der Rückkehr der frei lebenden Vögel nicht wieder ein neuer Stubenarrest auferlegt wird. Aber bis dahin genießen wir den Dreck und gackern, was das Zeug hält.

Euer Geflügel vom Bauernhof der Knirpsenfarm.
(Winter 2005/2006)