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Paul(a) Panzer

Wer oder was bin ich???

Also ich würde mich euch ja gerne vorstellen, nur … irgendwie ist da ne große Gedächtnislücke… aber ich erzähl euch mal meine Geschichte.

Ich lebe hier seit einigen Wochen auf dem Kinderbauernhof, bei meiner Freundin Agathe. Sie ist eine Hausgans und ich??? Ja, da hört mein Wissen auch schon auf. Ich werde auch mal eine Gans, so viel steht fest, aber bloß was für eine? Und wisst ihr, ich kann euch noch nicht mal sagen, ob ich ein Ganter – sprich Gänsemann oder eine Gans – sprich Gänsedame werde. Auweia, das ist mir schon ein bisschen peinlich, aber wer ist schon perfekt.

Gerufen werde ich Paulchen. Na eigentlich heiße ich ja Paul Panzer, den Namen hat mir meine Pflegemama, die Manuela, gegeben, aber alle sagen Paulchen zu mir (gefällt mir auch viel besser…).


 

Tja, mir wurde erzählt, ich bin aus einem Ei geschlüpft und irgendein Mensch muss mich dann aufgezogen haben. Diesem Menschen wurde ich wahrscheinlich zu viel und da hat er mich einfach vor der Schule ausgesetzt. Wenn da nur nicht diese Lücke in meinem Gedächtnis wäre, na ja egal.

Ich kann mich erst wieder an den Tag erinnern, an dem ich ganz viele Kinderstimmen gehört habe und ich unbedingt zu ihnen wollte, nur es ging nicht. Überall stand da so ein hohes Hindernis vor mir und es nahm einfach kein Ende. Ich habe dann später gehört, wie meine Pflegemama erzählt hat, dass sie mich hinterm Zaun gefunden hat. Aha, so hieß also dieses große blöde Ding, wo ich einfach nicht durch die vielen kleinen Löcher gepasst habe. Doofe Erfindung oder? Wie soll man denn neue Freunde finden, wenn überall solche Zäune stehen. Aber nicht so schlimm, ich hab ja so laut gerufen und gejammert, dass mich die Kinder gehört haben.

Und plötzlich war eine Aufregung um mich herum. Alle riefen, da ist eine Ente, da ist eine Ente.
Oh, dachte ich, ich bin also eine Ente. Hoffentlich mögen die Menschen hier auch Enten. Dann lernte ich meine Pflegemama kennen. Sie nahm mich auf den Arm und sagte, ich wäre eine Gans. Oh, dachte ich, ich bin also keine Ente, sondern eine Gans, super – aber hoffentlich mögen die hier nicht nur Enten, sondern auch Gänse.

 

Und was soll ich euch sagen, die Menschen hier lieben uns Gänse. Meine Pflegemama hat mich an diesem Tag gleich mit nach Hause genommen. Nur vorsichtshalber, da die Nächte noch sehr kühl waren. Man Leute, dass war toll. Ich durfte erst die ganze Wohnung untersuchen und nachts in der Badewanne auf weichen Handtüchern schlafen. Vor den drei lustigen Gesellen auf vier Beinen, die bei meiner Pflegemama wohnen, hatte ich auch keine Angst, schließlich kann ich genauso gut fauchen wie die.


Jetzt lebe ich bei meiner Freundin Agathe. So ähnlich wie sie soll ich auch mal aussehen, nur mit viel mehr grauen Federn und ein Stückchen größer. Ob ich aber eine Graugans werde, steht erst fest, wenn ich so richtig erwachsen bin. Genauso erfahre ich erst dann, ob ich ein Paulchen bleibe oder aber eine Paula werde. Mal sehen. Hauptsache meine Agathe hat mich lieb, so wie ich bin und ich darf für immer bei ihr bleiben.

Also ihr Lieben, kommt mich doch einfach mal besuchen und überzeugt euch selbst davon, wie gut es mir hier geht.
Euer Paulchen
(Frühjahr 2005)

(PS: Im Übrigen, inzwischen weiß ich, dass ich Paula bin, aber um sicher zu sein, musste ich erste ne Weile drüber brüten - hi,hi.)