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Lieselotte

Lieselotte Schnacke

Ja, wo soll ich mit meiner echt schrägen Geschichte anfangen? Na am besten da, wo alle Geschichten beginnen, beim Anfang.

Also, da war ein Ei – ein Entenei – echt eng und unbequem, aber kuschelig warm. Es war meine allererste Wohnung, sozusagen eine Einzimmerwohnung.
Irgendwann wurde mir dieses Zuhause aber zu klein und da beschloss ich umzuziehen.

Der Umzug war ein echt anstrengender Akt und nahm bestimmt einen halben Tag in Anspruch. Puh, war ich erledigt, aber die Mühe hatte sich gelohnt. Endlich konnte ich mich strecken und recken, ohne Platzangst dabei zu bekommen.
Jetzt konnte ich wachsen und wurde groß und größer. Doch der Stress mit dem Platz begann von vorn, und ich hoffte, bald wieder eine neue und größere Wohnung für mich zu finden.

Eines Tages schien mein Wunsch in Erfüllung zu gehen. Ich wurde von Zweibeinern (die ohne Flügel) in eine Kiste gesetzt und es ging in einem Blechkasten auf vier Rädern ab in die große weite Welt, nach Malchow.

Aber von wegen neue Wohnung. Ha, diese Zweibeiner nahmen meine Kiste und stellten mich einfach auf einer riesig großen Rasenfläche ab und vergaßen mich da.
Viele, viele Zweibeiner trafen sich dort und hatten wohl irgendwas zu feiern. Und dann geschah es. Plötzlich fingen so riesige schwarze Kästen neben mir an zu vibrieren und es schallten so laute Geräusche und Musik daraus, dass ich in eine Art Wachkoma fiel. Also mein Körper war zwar lebendig, aber mein Gehirn fiel in einen tiefen Schlaf. Nur so konnte ich diesen Krach ertragen. Mir ist heute noch ganz schlecht, wenn ich daran zurück denke.

Langsam wurde es dunkel und der Krach ging vorbei, doch in meinem Kopf dröhnte es noch immer. Dann kann ich mich nur noch daran erinnern, das meine Kiste hin und her schaukelte und mir alles egal war, Hauptsache weg von hier, weg von diesem Platz, weit weit weg. Ich hörte viele Stimmen, die besorgt über mich sprachen, ich sah Vierbeiner mit langen Schwänzen, die neugierig in meine Kiste schauten und ich glaube, dreimal wechselte der Mond sich mit der Sonne ab, bis ich langsam wieder zu mir kam.

Das Dröhnen verschwand allmählich aus meinem Kopf und ich hörte jetzt deutlich, wie mein Magen vor Hunger laut knurrte.

Wie es schien, war ich inzwischen auch wieder umgezogen, aber dieses Mal gefiel es mir recht gut.
Es war eine Stallung mit Auslauf, also wie eine Zweizimmerwohnung mit Balkon, nur für mich ganz alleine. Und ich bekam von meinen Vermietern sogar einen richtigen Namen – Lieselotte Schnake.

 

Mein Vermieter muss ein hohes Tier unter den Zweibeinern gewesen sein. Er hatte immer viel zu tun und ganz viele große und kleine Zweibeiner machten was er sagt. Ich hab mich aber mehr an meine Vermieterin gehalten. Sie hatte viel mehr Zeit für mich und brachte mir immer so lecker Futter, hmm... Und dann war da noch mein bellender Freund Charly. Er hat mich und meine Wohnung beschützt und bei langer Weile hat er mich bei Laune gehalten, wie es eben Freunde für einander tun. Und wenn ich mich doch mal allein gefühlt habe, brauchte ich nur laut schnattern - sogar nachts – und schon wurde mir ganz viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Und wie es mir da so richtig gut ging, hieß es schon wieder: „umziehen“. Also, viermal umziehen in einem Jahr, dass muss mir erstmal jemand nachmachen.

Der Umzug ging recht zügig voran, aber mir war unwohl, da ich nicht wusste, was mich jetzt wohl erwartet. Doch es kam besser, als ich es mir erträumt hätte.
Ich zog in eine riesige Wohngemeinschaft, zu vielen anderen Zweibeiner „mit Flügeln“. Man, war ich aufgeregt. Einige von denen gackern und krähen, andere wiederum schnattern, so wie ich. Zwar bin ich im Vergleich zu meinen Mitbewohnern recht klein geraten, aber Dank meiner Entengeduld haben wir uns trotzdem schnell zusammengerauft und ich bin jetzt eine glückliche und zufriedene Ente.

Na ihr Zweibeiner „ohne Flügel“, habe ich euch zu viel versprochen? Dann kommt und überzeugt euch einfach mal bei einem Ausflug nach Malchow von meinem Entenglück und schaut euch meine neue Wohnung an. Wir Geflügel haben zwar derzeit Stubenarrest damit wir nicht krank werden können, aber ihr dürft uns trotzdem besuchen kommen, denn wir sind allesamt kerngesund.



Bis bald! Eure Lieselotte Schnake…


(PS: Lieselotte ist dann doch im Frühjahr 2007 in die weite Welt hinaus.)