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der Weg ins Regenbogenland

über die Regenbogenbrücke zum Regenbogenland

Auf dieser Seite gedenken wir all unseren geliebten Tieren, die nicht mehr bei uns sind.
Bei einigen der Tiere war es uns ein besonderes Bedürfnis, ihr Leben auf der Knirpsenfarm in Form einer kleinen Geschichte festzuhalten.

Gans Agathe, unser Schnattchen

An alle die es wissen wollen – Mein Leben

Ich bin irgendwann im März/April 2000 aus meinem Gänseei geschlüpft.
Zusammen mit meiner Schwester wurden wir dann auf einen Kinderbauernhof nach Berlin gebracht. Man war das hier schön. Zusammen mit einer ziemlich frechen Hühnerbande haben wir in einem gemütlichen Stall gewohnt.

Nachts kuschelten wir uns ins warme Stroh unterm Hühnerhaus und tagsüber durften wir über den Bauernhof spazieren und schauen was es neues gab. Und ich kann euch sagen, es gab fast jeden Tag etwas Neues auf der Knirpsenfarm. So erlebte ich die Ankunft von den 3 Zwergziegen Squaw, Kobold und Herkules, beobachtete neugierig den Bau des Tauben-Turms und begrüßte jeden Neuankömmling mit lautem Geschnatter.

Im Dezember 2000, wurde meine Schwester über Nacht aus dem Stall gestohlen. Ich war sehr traurig und von einem Tag auf den anderen ganz Allein.
Die Zweibeiner, die uns immer das leckere Essen bringen und die Betten aufschütteln, waren in dieser Zeit ganz besonders lieb zu mir. Ich glaube, auch sie waren sehr traurig über den Verlust meiner Schwester.

Zwei Jahre später tauchte plötzlich ein wunderschöner weißer Ganter auf. Die Zweibeiner nannten ihn Gustav. Ich verliebte mich bis über meinen Schnabel in ihn. Wir beide wurden schnell ein Paar und ich fing an Eier zu legen. Abwechselnd brüteten wir auf den Eiern in der Hoffnung bald eine kleine Familie zu sein.
Ein Schicksalsschlag nahm mir einige Monate später aber auch diesen Freund. Aus der Familie wurde nichts, da meine Eier nicht befruchtet waren. Ich war wieder allein.

Tieftraurig lief ich nun Tag für Tag allein über den Bauernhof.
Ich hing mich einfach an die Zweibeiner, denn die waren immer für mich da.
Sobald ein Zweibeiner durch das Eingangstor kam, war ich auch schon da. Besonders lustig fand ich wenn ich mich an die Zweibeiner heranschlich, natürlich von hinten, und einfach mein Köpfchen durch seine Beine steckte. „Hallo, hier ist jemand der das Köpfchen gekrault haben möchte“. Manchmal bekamen sie einen Riesen Schrecken, aber ich erreichte damit immer eine Extra Streicheleinheit.

So vergingen einige Jahre, und ich genoss trotz meiner schweren Zeit, das schöne unbeschwerte Leben auf der Knirpsenfarm.

 

Es war Anfang Sommer 2005, wo sich erneut mein Leben veränderte.
Die Zweibeiner kamen zu mir und hatten einen kleinen Schreihals auf dem Arm. ``Was war das denn``, dachte ich. Die Zweibeiner nannten sie Paula, und sie erinnerte mich irgendwie an meine Schwester.

Paula musste in einen Teil unseres Stalls, das extra abgesperrt wurde und ich musste die ganze Zeit das laute Geschnatter von diesem „Baby“ hören. ``Echt nervend`` dachte ich, aber da ich ja tagsüber jederzeit Ausgang hatte, flüchtete ich aus meiner Behausung. Nachts schlief der Nerv-Zwerg ja zum Glück, und ich hatte meine Ruhe.

Mein Tagesablauf sollte sich nicht verändern durch diesen kleinen Unruhestifter. Deshalb verließ morgens meinen Stall und kam erst spät abends zurück wenn diese kleine Paula schon schlief. Ich ignorierte sie einfach weil ich für mich alleine sein wollte.

Es war ein schöner Sommertag, ich zog, wie jeden Morgen los um meine Runde über den Bauernhof zu drehen, da hörte ich hinter mir ein vorlautes Geschnatter. ``Wer hat die denn rausgelassen?`` Ohne Paula auch nur eines Blickes zu würdigen, stapfte ich los. ``Ich wollte doch keine Freunde mehr haben, nie wieder wollte ich verlassen werden. Das hatte ich mir ganz fest vorgenommen.``
Ein paar Tage schaffte ich es diese Paula zu ignorieren, aber die Kleine war ganz schön hartnäckig. Wenn ich schlief, kuschelte sie sich heimlich an mein Gefieder heran, und tagsüber ließ sie mich nicht aus den Augen und watschelte in gebührenden Abstand hinter mir her.
Jetzt mal ehrlich…wem wäre es nicht zu Herzen gegangen, wenn so ein kleiner Jammerlappen um Zuneigung bettelt.

Ich beschloss mich ihrer anzunehmen und zeigte ihr stolz mein Zuhause. Wir besuchten die Schweine, Schafe, Ziegen und ich stellte ihr natürlich auch jedes einzelne Huhn vor. Schließlich waren die Damen ja unsere Obermieter.
Wir gewöhnten uns schnell aneinander und wurden unzertrennlich. Die Zweibeiner interessierten mich nicht mehr da ich ja nun endlich wieder jemanden zum Kuscheln hatte.

Wir waren rundum zufrieden mit unserem Gänseleben auf der Knirpsenfarm. Vor ein paar Monaten, zogen Alfie und Angie noch bei uns ein. Die beiden waren vielleicht ein lustiges Paar. Sie hatten einen Höcker auf ihrem Schnabel, deshalb nannte man sie wohl auch Höckergänse, und sie waren auch nicht so weiß, wie wir Beide.
Wir waren eine wirklich lustige Truppe und haben uns gut verstanden.

Jetzt bin ich aber müde geworden, ich merke wie es mir jeden Morgen schwerer fällt, die Flügel auszustrecken. Ich mag auch nicht mehr große Runden über den Bauernhof gehen und bleibe lieber im warmen Stroh sitzen.
Ein Zweibeiner kommt zu mir, streichelt mir über den Kopf, den Hals entlang. Ich schaue in ihre Augen und sie in meine, wir wissen beide dass es ein Abschied sein wird.

Ich sage ``Danke`` und bekomme dafür ein liebevolles Streicheln.

Ich will schlafen, weil ich sehr müde bin, doch vorher muss ich mich von Paula, Angie und Alfie verabschieden.

In der Nacht zum 16. März 2008 bin ich über die Regenbogenbrücke gegangen, zu all meinen alten Bekannten, die dort bereits im Herzen der Menschen weiterleben.

Gans Agathe, auch liebevoll Schnattchen genannt

 

Napoleon

Als ich im November 1997 auf der Knirpsenfarm anfing zu arbeiten, wurde mir der Schafbock Napoleon als das älteste Tier auf dem Bauernhof vorgestellt. Napoleon war sozusagen ein Mitbegründer der Knirpsenfarm.
Er war ein sehr imposantes Tier, groß und kräftig, mit wunderschönen Augen. Damals bestand seine Herde aus drei Damen, die Napoleon morgens auf die Weide führte und nachmittags wieder zurück in den Stall.
Leider wurden Loni und Cora im nächsten Jahr gestohlen und Eve verstarb später an Altersschwäche.
Einige Wochen danach bekamen wir von der Berufsschule Zehlendorf Zwergschafe geschenkt. Und 1999 kam Kamerunschaf Charly in die Gruppe dazu.
Napoleon und er verstanden sich auf Anhieb und waren unzertrennlich. Wenn Napoleon nicht auf die Weide wollte, dann beschloss Charly, ebenfalls im Stall zu bleiben.

Seit Anfang 2006 zeigten sich bei Napoleon immer öfter Alterserscheinungen. Seine Wetterfühligkeit und Gelenkbeschwerden nahmen stetig zu.
Uns war bewusst, dass Napoleon ein stattliches Alter hatte. Wir waren Stolz immer wieder sagen zu können: „Napoleon ist schon 15 Jahre alt und ein Schaf wird im Schnitt 12 Jahre.“
Selbst der Schafscherer war jedes Jahr erneut überrascht, Napoleon zur Schafschur wieder zu sehen.

In den letzten Monaten schwollen seine Beine noch stärker an und das Laufen wurde für Napoleon immer schwieriger. Es gab Tage, an denen wir unseren „Alten Mann“ im Stall lassen mussten. Darüber war Kamerunschaf Charly ziemlich sauer und musste auf die Weide getragen werden.
Seit diesem Sommer kämpfte Napoleon jeden Tag aufs Neue, um mit seiner Herde zusammen auf die Weide gehen zu können, doch seine Schmerzen wurden offensichtlich von mal zu mal schlimmer.

Ich ließ den Tierarzt kommen, obwohl wir die Diagnose eigentlich schon kannten. Unser Napoleon war eben wirklich steinalt.

Am 15.08.2007 haben wir Napoleon ruhig und friedlich einschlafen lassen.

Nicht nur wir werden unseren Methusalem sehr vermissen.
So viele Jahre strahlte er innere Ruhe und Gelassenheit in der Herde aus und passte auf, dass ihm keins seiner Schafe verloren ging.

Manuela Hauser
leitende Tierpflegerin

 

Igor und Tamara

Warum???

Heute erzähle ich eine Geschichte. Ihr werdet Euch fragen, warum Manuela diese Geschichte selber erzählt, und das werde ich euch erklären. Die Zwei, um die es hier geht, sind nicht mehr bei uns. Und trotzdem möchte ich, dass Ihr erfahrt, wer sie waren.

Ich will euch heute von Igor und Tamara erzählen. Das waren die Anglo-Nubier Ziegen aus der Grundschule im Grünen. Ich lernte sie kennen, als ich anfing dort zu arbeiten. Sie waren im November 1997 ein knappes dreiviertel Jahr alt und zuckersüß. Igor und Tamara waren Geschwister, die von einem nahegelegenen Bauernhof zu uns kamen. Alle Kinder liebten sie, und nachmittags duften sie auch auf dem Schulgelände ausgeführt werden. Sie waren die Lieblinge aller Kinder. Als sie älter wurden, gingen sie, wie alle anderen Großtiere auch, mit raus auf den Sportplatz, um sich auszutoben und zu grasen. Da sie ihren Stall direkt vor der Schule hatten, waren sie immer präsent und erbettelten sich hier und da mal einen leckeren Apfel oder mal ein Möhrchen. Igor und Tamara liebten sich innig und waren wirklich unzertrennlich. Einmal hatten wir versucht, bei ihnen eine dritte Ziege unterzubringen, was Igor uns mit viel Gemecker und Getue untersagte. Sie waren eben wie Pech und Schwefel, und wo Tamara hinging, musste auch Igor sein und umgekehrt genauso.
Mit etwa 5 Jahren wurden die beiden sehr krank, sie bekamen Rheuma. Es fiel ihnen sichtlich immer schwerer auf den Sportplatz zu gehen. Wir ließen unseren Tierarzt kommen, aber außer ein paar schmerzstillenden Spritzen konnte er auch nichts tun.

 

Dies war der Zeitpunkt, als ich anfing, mich intensiver mit Pflanzenheilkunde zu beschäftigen. Ich erkundigte mich überall was ich tun konnte. Eine Futterumstellung und zusätzlich eine tägl. Portion Vitamin C und Zink halfen den beiden wieder etwas auf die Sprünge. Der Gang zum Sportplatz wurde verkürzt und sie durften sich im Hortgarten satt fressen. Wenn einer von beiden mal einen schlechten Tag hatte, blieb der andere natürlich aus Kameradschaft ebenfalls im Stall. Es war vielleicht nicht das schönste Leben, aber es war LEBEN. Die beiden bekamen doppelt so viele Streicheleinheiten, wie alle anderen. Sie waren halt meine Sorgenkinder und ich habe viele Stunden mit den beiden verbracht, wenn es ihnen nicht gut ging. Und wie hab ich mich riesig gefreut, wenn Tamara wie ein junges Zicklein über die Wiese rannte, weil es ihr gut ging.
So vergingen vier weitere zufriedene Jahre, mit vielen Höhen und Tiefen auf der Knirpsenfarm in Malchow.

Heute nun ist der 2. März 2006 und ich bin wie immer kurz vor 6.00 Uhr morgens in der Schule angekommen. Aber irgendwie ist es anders als sonst, irgendwas stimmt heute nicht. Ich parke das Knirpsenfarm-Mobil ein und ein ungutes Gefühl überkommt mich. Die Schranke und ebenfalls das Schultor sind Sperrangel weit offen. Das ist sehr ungewöhnlich so früh am Morgen. Ich laufe den Weg zum Schulgebäude und sehe schon von weitem ein Fahrzeug stehen. Oh Gott, denke ich, es ist die Polizei. Nicht schon wieder ein Einbruch denke ich. Der Hausmeister und ein Polizist begrüßen mich mit traurigen Gesichtern. Nein, bitte nicht die Tiere. Ich höre nur was von Feuer und Ziegen. Ich schmeiße alles hin und renne nach draußen. Ich erblickte meinen größten Alptraum. Nichts war mehr zu sehen, alles nur noch Schutt und Asche. Ich merke wie mir die Tränen übers Gesicht laufen. Vielleicht sind sie ja doch aus dieser Flammenhölle rausgekommen. Ich suche die beiden, obwohl ich weiß, dass ich sie nicht finden werde. Meine Trauer wird zur Wut. Ich bin wütend auf die Menschen, die solche schreckliche Taten verüben. Ich bin wütend über soviel Gemeinheit und Grausamkeit. In den Trümmern sehe ich die Körper von Igor und Tamara und frage mich immer wieder warum, warum, warum???
Ein großes weißes Auto kommt, um Igor und Tamara abzuholen. Leise und still verabschiede ich mich von unseren Lieblingen.
Das war der 2. März 2006, ein grausig schwarzer Tag in meinem Leben als Tierpflegerin.


Wir alle hoffen, dass der Brandstifter von der Polizei gefunden und zur Verantwortung gezogen wird. Ich wünschte, jedes Kind, jeder Erwachsene, eben jeder Freund von Igor und Tamara, würde dem Täter in die Augen schauen und ihm sagen können, wie sehr er uns wehgetan und wie viel Leid er uns zugefügt hat.

Igor und Tamara wären am 27. März 2006 neun Jahre alt geworden.

Wir werden auf der verbrannten Erde frischen Rasen säen und zwei Bäume pflanzen. Diese Bäume stehen für das Leben von Igor und Tamara und sie werden uns immer daran erinnern, wie viel Freude und Spaß wir zusammen hatten.

Igor & Tamara, wir vermissen euch!!!



In lieber Erinnerung von Manuela Hauser
Tierpflegerin der Knirpsenfarm

 

in ewiger Erinnerung

Der Weg ins Regenbogenland

Wir sind traurig, wenn wieder einer von euch die Regenbogenbrücke überquert,
wir sind traurig, weil wir wissen, dass ihr von dort auch nie wieder kehrt.
Ihr lebt nun weiter im Regenbogenland und trefft alte Bekannte, die ihr einst habt gekannt.

Aber oft ist es schwer zu verstehen, warum jetzt, warum so schnell?
Egal, wie lange ihr bei uns ward, ob nun 4 Jahre oder nur einen winzig kurzen Tag,
wir sind traurig, denn es war so schön, dass es euch gab.

Das Leben kann hart sein, verbirgt nicht nur Freude, sondern auch Leid,
da war es gut zu wissen, egal was kommt, dass ihr bei uns seid.
Ihr brachtet ein Lächeln in unser Gesicht, die Freude in unser Herz,
und schnell vergaßen wir unseren Kummer und auch den Schmerz.

Wir sind traurig, denn der Abschied ist immer so schwer.
Jeder von euch war etwas besonderes, ein Unikat, einen zweiten gibt es nie mehr.
Zwar hilft es zu wissen, euch geht es dort gut und ihr seid nicht allein,
trotzdem trocknen unsere Tränen nur ganz allmählich ein.

Wir sagen Dankeschön für all die wundervolle Zeit!
Euch vergessen? Das könnten wir nie und seid ihr noch so unerreichbar und weit.
Euch vermissen? Oh ja, verlasst euch darauf, egal wer ihr ward.
Lebt wohl und habt nun ein glückliches Leben im Regenbogenland.

Im geliebten Gedenken an alle, die schon die Regenbogenbrücke überquert haben …

(verfasst 2005)

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